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Was ist Individualsoftware?

Was ist Individualsoftware?

Individualsoftware » Definition ✓ Unterschiede zu Standardsoftware ✓ Kosten ✓ Recht & Datenschutz Schweiz ✓ Jetzt lesen!

11.21.2025
11
min Lesezeit
Autor
Editorial Team
Axisbits GmbH

Das Wichtigste zu Individualsoftware in Kürze

  • Individualsoftware wird für einen einzelnen Auftrag entwickelt und bildet Prozesse, Datenmodelle oder Schnittstellen passgenau ab.
  • Individualsoftware wird gezielt nach Auftrag programmiert, Standardsoftware ist ein fertiges Produkt für viele Nutzer.
  • Kosten für Individualsoftware: Höhere Anfangsinvestitionen, dafür keine laufenden Lizenzgebühren. Preisspanne zwischen CHF 20'000 und 300'000. Mehr bei höheren Anforderungen.
  • Cloud & Standort: Betrieb sowohl in eigener Infrastruktur als auch in Schweizer Cloud-Regionen möglich; branchenspezifische Vorgaben können strengere Regeln verlangen.

Wie unterscheiden sich Individualsoftware und Standardsoftware?

Individualsoftware wird für einen einzelnen Auftraggeber entwickelt und bildet dessen Abläufe und Schnittstellen ab. Standardsoftware dagegen ist ein fertiges Produkt, das denselben Funktionsumfang für alle Kunden bereitstellt.

Wann lohnt sich eine Individualsoftware?

Der Einsatz von Individualsoftware lohnt sich für dich, wenn deine Abläufe, Datenmodelle oder Integrationen mit einer Standardsoftware nicht ausreichend abgebildet werden können. Sie ist insbesondere dann sinnvoll, wenn einzigartige Anforderungen deinerseits bestehen oder wenn bestehende Systeme miteinander verbunden werden müssen.

Typische Entscheidungspunkte für eine Individualsoftware:

  • Besondere Abläufe: Wenn Prozesse nicht mit den Funktionen gängiger Standardlösungen abgedeckt werden können.
  • Integration: Wenn Systeme, Maschinen oder Datenbanken über Schnittstellen verbunden werden müssen, die in Standardsoftware nicht vorgesehen sind.
  • Branchenanforderungen: Wenn regulatorische Vorgaben oder bestimmte Standards berücksichtigt werden müssen.
  • Skalierung: Wenn eine Software wachsen und erweitert werden soll.
  • Datenhoheit: Wenn die vollständige Kontrolle über Daten, Quellcode und Infrastruktur gewünscht oder nötig ist.

Beispiele für Individualsoftware

  • Ein Produktionsbetrieb will Maschinensteuerung, Qualitätskontrolle und Reporting in einem System bündeln.
  • Ein Marktplatzanbieter entwickelt eine Plattform, die Zahlungssysteme, Buchungslogik und Nutzerverwaltung miteinander verbindet.
  • Eine kantonale Behörde benötigt eine Anwendung, die Daten aus unterschiedlichen Registern zusammenführt. 

Ein Bundesamt möchte einen Verwaltungsprozess mithilfe von KI beschleunigen, ist aber an strenge Datenschutzvorgaben gebunden.

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Was kostet eine Individualsoftware?

Die Kosten der Softwareentwicklung entstehen vor allem durch den eigentlichen Entwicklungsaufwand, die Weiterentwicklung, laufende Wartung und den Betrieb. Eine erste leistungsfähige Software für den Markttest (MVP) kostet zwischen CHF 20'000 und 60'000, eine Plattform-Software zwischen CHF 80'000 und 300'000 und eine App zwischen CHF 60'000 und 200'000.

  • Umfang der Funktionen: Je mehr Module und Features, desto grösser der Entwicklungsaufwand.
  • Benutzeroberfläche: Anspruchsvolle Designs und Interaktionen erfordern mehr Entwicklungszeit.
  • Integrationen: Schnittstellen zu Drittsystemen oder Maschinen können komplex sein.
  • Skalierung: Systeme mit hohen Anforderungen an Leistung und Ausfallsicherheit benötigen zusätzliche Architektur und Infrastruktur.
  • Wartung und Weiterentwicklung: Auch nach dem Go-Live entstehen Aufwände für Korrekturen, Updates und neue Funktionen.

Wie läuft ein Projekt für Individualsoftware ab?

Die Entwicklung von Individualsoftware verläuft in mehreren Phasen: Zuerst werden Anforderungen erhoben und ein Konzept erstellt, danach folgt die Entwicklung. Häufig wird dabei ein Minimum Viable Product (MVP) umgesetzt, das nur die Kernfunktionen enthält und eine erste Nutzung ermöglicht. Nach dem Go-Live wird die Software betrieben, gewartet und erweitert.

  • 1. Anforderungsanalyse: Aufnahme von Abläufen, Datenflüssen und Schnittstellen.
  • 2. Konzeption: Festlegung von Architektur, Datenmodellen, Sicherheitsvorgaben und Zeitplan.
  • 3. Entwicklung mit MVP: Zunächst wird ein MVP programmiert, das die wichtigsten Funktionen enthält. Es dient dazu, die Software sehr schnell einsetzbar zu machen und Rückmeldungen aus der echten Nutzung einzubeziehen. Danach erfolgt der Ausbau zu einer umfassenden Lösung.
  • 4. Tests: Überprüfung der Software auf Funktionsfähigkeit, Sicherheit und Performance.
  • 5. Einführung: Bereitstellung für die Benutzer, einschliesslich Schulung.
  • 6. Betrieb und Wartung: Fehlerbehebung, Updates und laufende Anpassungen.

In der Privatwirtschaft werden agile Methoden wie Scrum oder Kanban verwendet, die eine schrittweise Entwicklung und die Einbindung eines MVP ermöglichen.

In der öffentlichen Verwaltung wird häufig das Projektmanagementmodell HERMES eingesetzt. Es teilt Projekte in klar strukturierte Phasen mit definierten Rollen und Meilensteinen.

Du möchtest wissen, wie die Zusammenarbeit mit einem Team für Softwareentwicklung aussieht? Hier findest du unsere Roadmap für die Erstellung von Individualsoftware.

Welche rechtlichen Aspekte sind für Individualsoftware in der Schweiz relevant?

Bei der Entwicklung und Nutzung von Individualsoftware sind in der Schweiz vor allem Datenschutz, Vertragsgestaltung und Vorgaben der jeweiligen Branche zu berücksichtigen. Zusätzlich können europäische Regelungen wie die DSGVO oder der AI Act relevant sein, wenn Daten oder Nutzerbeziehungen über die Landesgrenzen hinausgehen.

Datenschutz bei Individualsoftware in der Schweiz

  • Seit dem 1. September 2023 gilt das revidierte Datenschutzgesetz (revDSG).
  • Unternehmen müssen die Bearbeitung von Personendaten dokumentieren, technische und organisatorische Massnahmen umsetzen und Informationspflichten erfüllen.
  • Für Auftragsbearbeitungen ist ein Vertrag erforderlich, der Zuständigkeiten, Massnahmen und Rechte regelt.

Verträge und Rechte für die Erstellung von Individualsoftware

Bei Individualsoftware wird in der Regel ein Werkvertrag abgeschlossen. Dieser legt fest, welche Leistungen geschuldet sind und wie die Rechte am Quellcode geregelt werden.

Alternativ kann ein Dienstvertrag verwendet werden, bei dem nicht ein fertiges Produkt, sondern eine laufende Leistung im Vordergrund steht.

Nutzungs- und Eigentumsrechte am Quellcode sollten klar im Vertrag festgehalten sein. Escrow-Vereinbarungen können als Absicherung dienen.

Beschaffung von Individualsoftware für die öffentliche Verwaltung:

Bund, Kantone und Gemeinden arbeiten mit Vorlagen wie den Musterverträgen der Koordinationskonferenz der Bau- und Liegenschaftsorgane der öffentlichen Bauherren (KBOB) oder den AGB und Vertragsmustern der Digitalen Verwaltung Schweiz.

Projekte in der Verwaltung folgen meist dem HERMES-Standard, der auch rechtliche und organisatorische Aspekte berücksichtigt.

Europäische Vorgaben für Individualsoftware 

Die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) ist auch für Schweizer Unternehmen relevant, wenn Daten von Personen aus der EU bearbeitet werden.

Der EU AI Act ist seit 2024 in Kraft und sieht seit 2025 Pflichten für Systeme mit Künstlicher Intelligenz vor.

Wie wird Individualsoftware in der Cloud und mit Datenstandort Schweiz betrieben?

Individualsoftware kann sowohl in eigener Infrastruktur als auch in der Cloud betrieben werden. In der Schweiz spielt dabei der Standort der Daten eine wichtige Rolle, da gesetzliche Vorgaben und interne Richtlinien immer wieder eine Speicherung innerhalb des Landes verlangen.

Betrieb von Individualsoftware durch Schweizer KMU

Für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) in der Schweiz gilt keine gesetzliche Pflicht, Daten zwingend in der Schweiz zu speichern. Es gelten jedoch immer die Anforderungen aus dem revidierten Datenschutzgesetz (revDSG) und, wenn EU-Bezug besteht, aus der DSGVO:

  • revDSG: Erlaubt Datenbearbeitung auch im Ausland, wenn ein angemessener Datenschutz gewährleistet ist. Bei Ländern ohne angemessenes Schutzniveau (z. B. USA ohne spezielle Vereinbarung) müssen zusätzliche Garantien bestehen.
  • DSGVO: Entspricht in dieser Hinsicht dem revDSG, verlangt aber ebenfalls Garantien bei Datentransfers in Drittstaaten.

Für Schweizer KMU ohne Auslandsgeschäft ist es oft einfacher, Cloud-Regionen innerhalb der Schweiz zu wählen, da Fragen zur Datenübermittlung damit wegfallen.

Für KMU mit EU-Kunden ist es empfehlenswert, auf Anbieter zurückzugreifen, die eine klare Rechtsgrundlage für Datentransfers bieten.

Eine rechtliche Pflicht zur ausschliesslichen Speicherung in der Schweiz gibt es nicht, ausser Branchenvorgaben schreiben es vor, zum Beispiel die Finanzmarktaufsicht oder das Gesundheitswesen.

Cloud-Optionen für Individualsoftware in der Schweiz

  • Hyperscaler mit CH-Regionen: Anbieter wie Microsoft Azure betreiben Rechenzentren in Zürich und Genf. Daten können dort ausschliesslich in der Schweiz gespeichert werden.
  • Public Clouds Bund: Für die Bundesverwaltung besteht ein spezielles Rahmenwerk, das die Nutzung von Public-Cloud-Diensten regelt.
  • Swiss Government Cloud (SGC): Ein Projekt des Bundesamts für Informatik und Telekommunikation mit Laufzeit von 2025 bis 2032, das eine eigene Cloud-Umgebung für Bundesstellen vorsieht.

Erstellung von Individualsoftware in der Schweiz

Individualsoftware unterscheidet sich von Standardsoftware dadurch, dass sie deine Abläufe so abbilden kann, wie es dein Team benötigt und alle gewünschten Schnittstellen und Funktionen mitbringt.

Die Erstellung einer Individualsoftware lohnt sich immer dann für dich, wenn es sonst keine Software gibt, die deinen Vorstellungen entspricht. Dein Team arbeitet in diesem Fall typischerweise mit einer Kompromisslösung, was auch mit Leistungseinbussen einhergeht.

Wir von Axisbits erstellen deine Individualsoftware. Wir sorgen dafür, dass du zukünftig frei von Leitplanken arbeiten kannst und die Software genau deinen Vorstellungen entspricht. Erfolgreich umgesetzte Softwareprojekte findest du in unserem Portfolio.

Wenn du bereits eine Projektidee auf dem Tisch hast, melde dich bei uns!

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Individualsoftware – Häufige Fragen und Antworten

Durch klare vertragliche Regelungen zu Eigentum am Quellcode, Zugriff auf Dokumentation und Datenexportformate. Escrow-Vereinbarungen können zusätzliche Sicherheit bieten.

Ein kleines Projekt oder ein MVP kann innerhalb weniger Monate umgesetzt werden. Grössere Systeme benötigen abhängig vom Umfang zwischen sechs Monaten und mehr als einem Jahr.

Ja, häufig wird ein hybrider Ansatz gewählt. Dabei übernimmt Standardsoftware generische Funktionen wie Office oder CRM und die Individualsoftware ergänzt oder integriert weitere Prozesse.

Oft werden Open-Source-Bibliotheken oder Frameworks eingesetzt, um Entwicklungsaufwand zu reduzieren. Dabei müssen Lizenzbedingungen geprüft werden, insbesondere wenn die Software kommerziell vertrieben oder weitergegeben wird.

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