Prototyping in der Softwareentwicklung – Ein kleines Werkzeug mit grossem Nutzen
Architekten erstellen oft ein Miniatur-Modell eines Gebäudes – lange bevor die Bauplanung wirklich beginnt. Das Prototyping erfüllt in der Softwareentwicklung dieselben Funktionen: Sehen, anfassen, erklären können. Hier erfährst du, was noch hinter einem Software-Prototyp steckt und welche Art du für dich einsetzen kannst.
Warum Prototyping?
Ein Prototyp ist eine erste Skizze deiner Software oder einzelner Funktionen. Es ist eine Veranschaulichung, die deine Idee besser greifbar macht. Sie dient dem ersten Look & Feel und sorgt dafür, dass du deine Idee mit anderen besprechen kannst.
Abgrenzung: Prototyp vs. MVP
Ein Prototyp ist eine frühe Testversion einer Idee, oft unfertig und nur gering oder gar nicht funktionsfähig, um Design, Konzepte oder technische Machbarkeit zu prüfen.
Ein Minimum Viable Product (MVP) hingegen ist eine bereits marktreife Version eines Produkts mit den minimal notwendigen Funktionen
Wie funktioniert das Prototyping?
- Ziel setzen: Überlege dir als Erstes, was genau du testen möchtest. Geht es um das Design? Möchtest du einen bestimmten Ablauf durchspielen? Sollen Nutzer schnell erkennen, wie sie durch die Anwendung navigieren?
- Prototyp bauen: Du erstellst eine vereinfachte Version deines Produktes. Diese muss nicht perfekt sein, sondern soll eine Grundidee geben. Das kann ein Scribble auf Papier sein oder auch schon eine klickbare Version in einem passenden Tool.
- Feedback einholen: Zeig deinen Prototyp den potenziellen Nutzern, teste selbst oder lass andere Experten draufschauen. Sammle alles, was dir auffällt: Was funktioniert, was irritiert?
- Anpassen und verbessern: Auf Basis des Feedbacks entscheidest du, was du am Prototyp ändern oder neu denken möchtest. Anschließend testest du erneut, bis sich ein klares Bild abzeichnet.
Welche Arten von Prototyping gibt es?
Es gibt verschiedene Herangehensweisen an das Prototyping. Die Auswahl erfolgt je nachdem, wie tief du einsteigen möchtest und welche Ziele du hast.
Low-Fidelity-Prototyp
- Was ist das? Eine sehr grobe, einfache Darstellung. Oft auf Papier oder digital skizziert.
- Vorteil: Extrem schnell und billig umzusetzen. Veranschaulichung erster Ideen, die sich vermutlich noch stark verändern.
High-Fidelity-Prototyp
- Was ist das? Deutlich näher am Endprodukt. Oft schon mit echten Design-Elementen, interaktiven Buttons, Animationen etc.
- Vorteil: Nutzer und Stakeholder können sich besser vorstellen, wie es letztlich aussehen und sich anfühlen wird. Du kannst Funktionen genauer durchspielen.
- Nachteil: Aufwendiger zu erstellen und zu ändern. Wenn sich grundlegende Ideen ändern, war ggf. viel Arbeit umsonst.
Throwaway-/Rapid-Prototyp
- Was ist das? Ein schnell erstellter Prototyp, der nicht weiterentwickelt, sondern nach der Testphase verworfen wird.
- Vorteil: Du kommst schnell zu Erkenntnissen und musst keine große Architektur aufbauen, weil ohnehin nichts davon Bestand haben wird.
- Nachteil: Eventuell entstehen Mehrkosten, wenn du denselben Part später von Grund auf neu schreiben musst.
Evolutionäres Prototyping
- Was ist das? Du baust deinen Prototyp immer weiter aus, bis er irgendwann zum fertigen Produkt wird.
- Vorteil: Keine Wegwerf-Arbeit, sondern alles fliesst direkt ins Endprodukt. Feedback fliesst stetig ein, du hast eine sehr enge Lern- und Anpassungsschleife.
- Nachteil: Anfängliche und experimentelle Entscheidungen können die Grundlage für das spätere System werden. Hierin liegt die Gefahr, dass ein Provisorium zur instabilen Dauerlösung wird.
Beispiele für Prototyping
Skizzen für eine App
Du hast eine Idee für eine neue Fitness-App. Bevor du eine Zeile Code schreibst, zeichnest du dir die wichtigsten Bildschirme auf: Startseite, Trainingsauswahl, Fortschrittsanzeige usw.
Diese Skizzen kannst du dann mit anderen Personen besprechen und dir Feedback einholen. Wo würdet ihr klicken? Wo werden bestimmte Verlinkungen erwartet? Welche Funktion sollte an welcher Stelle platziert werden?

Klickbare Web-Oberfläche
Im Unternehmen möchtest du einen neuen internen Prozess digitalisieren.
Du baust mit einem Tool wie Figma oder Adobe XD innerhalb weniger Tage einen klickbaren Entwurf der Benutzeroberfläche: Buttons, Formulare, Ablauf von Schritt A zu B.
Damit lässt du deine Kollegen testen, ob sie den Prozess verstehen und ob alle nötigen Informationen abgefragt werden. Auf Basis des Feedbacks kannst du die Screens ändern. Erst wenn das klappt, gibst du den Auftrag für die eigentliche Softwareentwicklung raus.

3D-Modell für Virtual Reality (High-Fidelity-Prototyp)
Stell dir vor, du arbeitest an einer VR-Anwendung, zum Beispiel für eine virtuelle Messe. Da möchtest du nicht einfach nur ein Bild an die Wand werfen. Also erstellst du einen High-Fidelity-Prototyp, in dem deine Nutzer schon durch einen virtuellen Messestand laufen können. Zwar sind längst nicht alle Aussteller und Produkte integriert, aber alle Beteiligten sehen, wie das Endergebnis aussehen könnte – und du merkst schnell, ob ihnen die Navigation oder die Interaktion gefällt.

Prototyping: Dein Startschuss in der Softwareentwicklung
Prototyping ist ein wertvolles Werkzeug. Es hilft dir, deine Idee für andere verständlich und greifbar werden zu lassen. Sobald das erreicht ist, kannst du die Idee mit deinem Team diskutieren und von diesem Punkt an weiterentwickeln.
Wenn du bereits Ideen für ein Softwareprojekt ausformuliert hast und nun die weiteren Schritte kennenlernen möchtest, helfen wir dir weiter. Teile uns deine Ziele mit und wir besprechen gemeinsam, wie wir deine Software für dich umsetzen können.
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Prototyping – Häufige Fragen und Antworten
Nein, aber Prototypen helfen, deine Idee greifbar zu machen. So machst du es anderen leichter, dir Feedback zu geben.
Manchmal ja, wenn der Prototyp technisch solide ist. Oft wird er aber verworfen und als Grundlage für eine neue, saubere Umsetzung genutzt.
Ein einfacher Prototyp kann in wenigen Stunden oder Tagen entstehen. Ein MVP braucht je nach Komplexität meist Wochen oder Monate.
Für UI-Prototypen eignen sich Figma, Adobe XD oder Sketch. Für interaktive Prototypen gibt es Tools wie InVision oder Axure.
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