Usability-Tests richtig durchführen: Methoden, Ablauf und Praxisbeispiele
Ein Usability-Test zeigt, wo Nutzer in deiner App, Website oder Software scheitern. Wenn du die Nutzerführung jedoch nicht testest, verschenkst du viele Möglichkeiten.

Usability Tests geben dir die Antworten, die Zahlen allein nicht liefern können, und du brauchst dafür weder ein riesiges Budget noch wochenlange Vorbereitung. In diesem Artikel erfährst du, wie du mit einfachen Mitteln herausfindest, wo deine Nutzer wirklich hängen bleiben und wie du diese Probleme systematisch löst.
Das Wichtigste in Kürze:
- 5 Nutzer für den Usability Test reichen, sie decken ca. 85 % aller Probleme auf
- Beobachten statt fragen! Echtes Nutzungsverhalten zeigt dir am meisten
- Think-Aloud-Methode nutzen: laut Denken bringt viele Erkenntnisse
- Die Tests sind remote & mit wenig Technik möglich: via Zoom und Google Forms
- Regelmässig testen: Lieber öfter klein testen als selten gross
Was ist ein Usability Test?
Ein Usability-Test ist eine empirische Methode zur systematischen Bewertung der Gebrauchstauglichkeit digitaler Programme. Er zeigt, wie Nutzer mit einer Software interagieren und wo es zu Verständnisschwierigkeiten oder Nutzungshürden kommt.
Bei einem Usability Test beobachtest du Testpersonen dabei, wie sie deine Website, App oder dein Produkt benutzen. Während sie typische Aufgaben erledigen, beobachtest du, wo sie hängen bleiben, was sie verwirrt und wo hingegen alles problemlos läuft.
Einfaches Beispiel eines Usability Tests
Du bringst einen Online-Shop für Outdoor-Ausrüstung an den Markt. Beim Usability Test gibst du einem Testteilnehmer die Aufgabe:
"Finde einen wasserdichten Rucksack für eine dreitägige Wanderung und bestelle ihn."
Danach beobachtest du nur noch das Verhalten. Vielleicht siehst du, wie er lange nach dem Filter für "wasserdicht" sucht. Oder wie er im Checkout-Prozess abbricht, weil die Versandkosten erst ganz am Ende angezeigt werden und somit unerwartet der Gesamtpreis steigt.
Wie viele Probanden braucht ein Usability Test?
Jakob Nielsen hat herausgefunden, dass bereits fünf Testpersonen etwa 85 % aller Usability-Probleme aufdecken. Seine wichtigste Erkenntnis lautete:
“Aufwändige Usability-Tests sind reine Ressourcenverschwendung. Die besten Ergebnisse erzielen Sie, wenn Sie maximal fünf Nutzer testen lassen und so viele kleine Tests wie möglich durchführen.” Jakob Nielsen, Original aus dem Englischen übersetzt.
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Unterschied der Usability Tests zu anderen Methoden
Usability Testing wird oft mit anderen Methoden verwechselt oder in einen Topf geworfen. Das ist verständlich, denn viele Ansätze beschäftigen sich mit Nutzern und deren Verhalten und alle zahlen auf die übergeordnet stattfindende Conversion Rate Optimierung ein. In diese Reihe gehört auch die UX Optimierung. Die Unterschiede sind jedoch wichtig, denn sie entscheiden darüber, welche Art von Erkenntnissen du bekommst:
- A/B-Testing: Beim A/B-Testing zeigst du verschiedenen Nutzergruppen zwei Versionen deiner Website und misst, welche besser funktioniert. Du erfährst jedoch nicht, warum das so ist.
- Fokusgruppen: Menschen diskutieren über dein Produkt und teilen ihre Meinungen mit. Das zeigt dir aber nicht, wie sie es tatsächlich benutzen würden.
- Umfragen: Du erfragst, was Menschen denken oder sich wünschen. (Erst beim Usability Test jedoch siehst du, was sie tatsächlich tun.)
- Heatmaps: Sie zeigen dir, wo Nutzer klicken und scrollen. Aber nicht, warum sie das tun oder ob sie dabei ihr Ziel erreicht haben.
Arten von Usability Tests
Usability Tests unterscheiden sich hauptsächlich in vier Dimensionen: moderiert vs. unmoderiert, remote vs. vor Ort, mit oder ohne lautes Denken und in kontrollierter vs. natürlicher Umgebung. Moderierte Tests decken mit 5 bis 8 Teilnehmern bereits 85 bis 90 % der Probleme auf, unmoderierte Tests würden etwa 30+ Teilnehmer benötigen.
Moderierte vs. Unmoderierte Usability Tests
Moderierte Tests: Du oder ein Kollege führt durch den Test, stellt Fragen und kann nachhaken. Das ist wie ein Gespräch: Du siehst, was passiert und erfährst auch, was der Nutzer dabei denkt. Moderierte Tests identifizieren 85 bis 90 % der Probleme schon mit 5 bis 8 Teilnehmern.
Unmoderierte Tests: Die Teilnehmer bekommen Aufgaben und arbeiten sie selbstständig ab, während eine Software alles aufzeichnet. Das ist günstiger und schneller, aber du verpasst die Gedanken und Reaktionen. Dafür brauchst du etwa 30 und mehr Teilnehmer für aussagekräftige Ergebnisse.
Usability Tests remote vs. vor Ort
Remote Tests: Die Teilnehmer sitzen zu Hause oder am Arbeitsplatz an ihrem eigenen Computer, du verbindest dich per Video-Call. Das ist praktisch, günstig und die Nutzer sind in ihrem gewohnten Umfeld, sodass sie sich dort womöglich auch natürlicher verhalten. Du siehst etwa 80 bis 85 % der Probleme, die du auch vor Ort sehen würdest.
Tests vor Ort: Ihr seid im selben Raum oder Usability-Labor, mit kontrollierten Bedingungen, professioneller Aufzeichnung und ohne Ablenkungen. Du siehst Mimik und Körpersprache und kannst bei technischen Problemen sofort helfen. Das deckt 90 bis 95 % aller Probleme auf, kostet aber mehr Zeit und Geld.
Guerrilla Testing
Du gehst mit deinem Laptop in ein Café oder einen anderen belebten Ort, sprichst Leute an und bittest sie um 10 Minuten ihrer Zeit für einen schnellen Test. Das funktioniert gut für erste Eindrücke und offensichtliche Probleme. Der Vorteil ist, dass die Probanden vollkommen unvoreingenommen sind.
Usability Test: Think-Aloud vs. stilles Beobachten
Think-Aloud: Die Teilnehmer sollen laut aussprechen, was sie denken und tun. Das gibt dir Einblicke in ihre Gedankengänge. Studien zeigen, dass Think-Aloud 4,8-mal mehr individuelle Probleme aufdeckt als nachträgliche Befragungen.
Stilles Beobachten: Du schaust nur zu und fragst erst hinterher. Das zeigt natürlicheres Verhalten, aber du erfährst weniger über die Motivation der Nutzer.
Phasen eines Usability Tests
Ein Usability Test läuft in drei Hauptphasen ab: Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung. Die Vorbereitung entscheidet über den Erfolg des gesamten Tests und braucht meist mehr Zeit als die eigentliche Testdurchführung.
1. Vorbereitungsphase
- Ziele definieren: Was genau willst du herausfinden? "Die Website testen" ist kein Ziel. "Herausfinden, warum 60 % der Nutzer im Checkout abbrechen" schon. Je präziser dein Ziel, desto gezielter kannst du den Test aufbauen.
- Testobjekt festlegen: Was testest du konkret? Eine Live-Website, einen Prototyp, eine App? Das bestimmt auch, welche Tools du brauchst und wie realistisch die Testergebnisse sein werden.
- Aufgaben formulieren: Entwickle realistische Szenarien, die deine Zielgruppe auch im echten Leben hätte. Statt "Klicke auf den roten Button" besser "Du suchst ein Geschenk für deine Schwester zum Geburtstag. Finde etwas Passendes und bestelle es."
- Teilnehmer rekrutieren: Finde Menschen, die deiner echten Zielgruppe entsprechen. Das heisst nicht nur demografische Merkmale, sondern auch Verhalten und Erfahrung mit ähnlichen Produkten.
2. Durchführungsphase
Für die Durchführung der Usability Tests wird oft folgendes Schema angewendet:
- Begrüssung: Erkläre den Ablauf, nimm den Teilnehmern die Nervosität und mache klar, dass du das Produkt testest, nicht sie. Menschen neigen dazu, sich schlecht zu fühlen, wenn sie etwas nicht verstehen.
- Aufgaben durchführen: Lass die Teilnehmer arbeiten und halte dich zurück. Dein Job ist beobachten, nicht helfen. Wenn sie nicht weiterkommen, ist das eine wichtige Erkenntnis.
- Think-Aloud-Methode: Bitte die Teilnehmer, laut zu denken. "Was geht dir gerade durch den Kopf?" oder "Was suchst du?" sind gute Fragen, um sie zum Sprechen zu bringen.
- Dokumentieren: Notiere dir alles: wo sie zögern, was sie verwirrt, welche Worte sie benutzen. Die Video-Aufzeichnungen sind eine wertvolle Dokumentation, Notizen solltest du parallel trotzdem erstellen. Tipp: Lass während des Tests einen Timer mitlaufen, dann kannst du einzelne Notizen mit einem Zeitstempel versehen und dem richtigen Zeitpunkt im Video zuordnen.
3. Nachbereitungsphase
- Auswertung: Gehe durch deine Notizen und Videos. Suche nach Mustern: Haben mehrere Teilnehmer an der gleichen Stelle Probleme gehabt? Welche Aufgaben wurden gar nicht oder nur sehr umständlich gelöst?
- Ergebnisse aufbereiten: Sammle deine Erkenntnisse so, dass andere sie verstehen und nutzen können. Screenshots von Problemstellen, Zitate der Teilnehmer und konkrete Verbesserungsvorschläge helfen dabei.
- Präsentation: Teile die Ergebnisse mit deinem Team. Video-Ausschnitte sind oft überzeugender als lange Berichte. Wenn das Entwicklungsteam selbst sieht, wie ein Nutzer minutenlang nach einem Button sucht, verstehen sie das Problem besser als durch jede Beschreibung.
- Umsetzung planen: Die besten Erkenntnisse nützen nichts, wenn sie in der Schublade landen. Priorisiere die gefundenen Probleme und plane konkrete Schritte zur Behebung.
Faustregel: Für jeden Tag Testdurchführung planst du zwei bis drei Tage für Vorbereitung und Nachbereitung ein.
Tools für Usability Tests
Die Werkzeuge für Usability Tests reichen von kostenlosen Basis-Lösungen bis zu professionellen Plattformen. Für den Anfang brauchst du oft weniger, als du denkst, denn manchmal reichen schon Zoom und ein Smartphone.
Kostenlose und günstige Hilfsmittel für Usability Tests
- Zoom oder Teams: Für Remote-Tests völlig ausreichend. Du kannst den Bildschirm teilen lassen, aufzeichnen und parallel Notizen machen.
- OBS Studio: Kostenlose Software für Bildschirmaufzeichnung, falls du lokale Tests machst. Etwas komplizierter zu bedienen, aber sehr mächtig.
- Google Forms: Für Vorab-Fragebögen und Feedback nach dem Test. Kostenlos und einfach zu verwenden.
- Smartphone: Oft unterschätzt, aber zum Beispiel für Guerrilla Testing perfekt. Du kannst Video-Bildschirmaufnahmen erstellen und die Testing-Sessions anschliessend in Ruhe auswerten.
Usability-Tools
- Hotjar: Heatmaps, Session-Recordings und einfache Umfragen in einem Tool.
- Maze: Fokus auf Prototyp-Testing mit guter Figma-Integration. Besonders stark bei unmoderierten Tests.
- Lyssna (früher UsabilityHub): Gut für spezifische Tests wie First-Click oder 5-Sekunden-Tests. 300 kostenlose Antworten pro Jahr.
Professionelle Usability Test Plattformen
- UserTesting: Der Marktführer mit grossem Teilnehmer-Pool und KI-gestützter Auswertung. Höhere Preisklasse.
- Lookback: Speziell für moderierte Tests mit guter Videoqualität. Mittlere Preisklasse, aber sehr benutzerfreundlich.
- UsabilityHub (jetzt Teil von Lyssna): Verschiedene Test-Methoden unter einem Dach, von Card Sorting bis Prototyp-Tests.
Tipp: Hier findest du A/B Testing Tools.
Keyfacts: Was du zu Usability Tests mitnehmen solltest
Du brauchst weniger als du denkst:
Bereits fünf Testpersonen decken 85 % aller Usability-Probleme auf. Ein einfacher Test mit Zoom, Google Forms und deinem Smartphone reicht für den Start völlig aus und kostet weniger als 50 Franken pro Monat.
Beobachten schlägt Fragen:
Usability Tests zeigen dir, was Menschen wirklich tun. Das macht sie wertvoll und anders als Umfragen oder Fokusgruppen, die nur Meinungen sammeln.
Die Vorbereitung ist wichtig:
Die meiste Zeit fliesst in Planung und Auswertung, nicht in die eigentliche Testdurchführung. Für jeden Tag Test planst du zwei bis drei Tage für Vor- und Nachbereitung ein. Diese Investition macht den Unterschied zwischen brauchbaren Erkenntnissen und verschwendeter Zeit.
Grenzen der Usability Tests, die du im Hinterkopf behalten solltest:
1. Die Testsituation ist nicht realistisch
Im Test wissen Nutzer, dass sie beobachtet werden. Sie sind konzentrierter und motivierter als im Alltag. Das führt zu einem höheren Involvement. Viele Fehler, die im echten Gebrauch auftreten, bleiben dadurch unentdeckt.
2. Das Verhalten ist oft nicht typisch
Nutzer gehen Aufgaben gezielter an als außerhalb des Tests. Sie denken bewusster und versuchen, alles richtig zu machen. Das entspricht nicht der tatsächlichen Nutzung, die oft nebenbei oder unter Zeitdruck stattfindet.
3. Usability-Tests prüfen nur die Bedienung
Sie zeigen, ob etwas funktioniert, aber nicht, ob es überhaupt gebraucht wird. Strategische Fragen zum Produkt oder Markt lassen sich damit nicht beantworten.
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Usability Tests – Häufige Fragen und Antworten
Für B2C-Produkte funktionieren soziale Medien sowie Freunde und Familie gut. Bei B2B-Produkten nutze LinkedIn oder bitte bestehende Kunden um Hilfe.
Eine Testsession dauert meist 30 bis 60 Minuten. Die gesamte Studie mit fünf Teilnehmern benötigt etwa eine Woche: 2 bis 3 Tage Vorbereitung, 1 bis 2 Tage Durchführung, 2 bis 3 Tage Auswertung. Guerrilla Testing geht schneller, oft schon binnen eines Nachmittags. Jedoch kommt auch hier die Zeit für die Auswertung hinzu.
Beobachte erst einmal und halte das aus. Wenn sie wirklich feststecken, frage "Was denkst du gerade?" oder "Was würdest du normalerweise jetzt tun?". Gib nicht sofort Hinweise, denn ihre Schwierigkeiten sind wertvolle Erkenntnisse. Dokumentiere diese Hürde und hilf ihnen dann, den Test fortzusetzen.
Der häufigste Fehler ist, Fragen zu stellen, die den Probanden bereits führen. Statt "Findest du den Button gut sichtbar?" besser "Wie würdest du jetzt vorgehen?". Ausserdem: Zu schnell helfen wollen, wenn Teilnehmer struggeln. Ihre Probleme sind genau das, was du herausfinden willst.
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